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14.05.2018 09:40 Alter: 8 days

Bürgermeister Kristian W. Tangermann verneigt sich vor den Müttern dieser Welt


Bürgermeister Kristian W. Tangermann verneigte sich vor den Müttern dieser Welt als er vor dem

„Denk-Mal an die Mütter“

 

in Lilienthal einen Blumenstrauß symbolisch für alle Mütter dieser Welt aufstellte.

Die Lilienthaler Bildhauerin Ingeborg Ahner-Siese hatte das Denkmal an die Mütter 1984/1998 als Kunststeinguss erschaffen.


Die Skulptur stiftete die Künstlerin 1998 an die Gemeinde Lilienthal. Die Vertreter der Gemeinde sahen es als Selbstverständlichkeit an, als Dank für dieses Geschenk immer zum Muttertag einen Strauß symbolisch für alle Mütter dieser Welt vor dem Denkmal aufzustellen.

 

„Als Bildhauerin habe ich mich oft mit Entwürfen beteiligt, wenn es um die Ehrung der Toten des Krieges ging.


So selbstverständlich, wie heute in jedem Dorf ein Krieger-Ehrenmal steht, so selbstverständlich wird von den Hinterbliebenen, insbesondere von den Müttern, erwartet, dass sie gegenüber ihren Kindern und der Gesellschaft ihre Pflicht tun – ohne Ehrung.


Zu diesem Thema habe ich schon Anfang der achtziger Jahre Skizzen in Ton modelliert und Mitte der neunziger ein lebensgroßes Modell erarbeitet: Eine Mutter mit vier Kindern.


In Worphausen, beim Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus, steht ein Ehrenmal, an dessen Gestaltung ich seinerzeit ehrenamtlich mitgewirkt hatte. Diesem Krieger-Ehrenmal wollte ich ein »Denk-mal an die Mütter« gegenüberstellen, in gerader Linie, mit weitem Abstand.


So wäre eine gedankliche Verbindung geschaffen zwischen Krieg und Heimat, zwischen den (fürs Vaterland) gefallenen Männern, die Väter und Söhne waren, und den in schweren Nachkriegsjahren alleingelassenen Müttern mit ihren Kindern. Das würde ein Denkanstoß sein, gegen den Krieg!

Ich fragte bei der Gemeinde Lilienthal an, ob sich an diesem Ort meine Idee realisieren ließe und bekam Zustimmung und Unterstützung für mein Vorhaben.

Mit meinem »Denk-mal an die Mütter« will ich an die Leistungen der Frauen in Kriegs- und Nachkriegszeit erinnern.

Jahrhundertelang herrschte das patriarchale Idealbild der aufopferungsvollen Mutter, Hausfrau und fügsamen Gattin, im so genannten »dritten Reich« wurden Frauen sogar mit dem »Mutterkreuz« belohnt, wenn sie besonders viele Kinder für »Volk und Vaterland« gebaren.


Junge Mädchen wurden nach der Schule mit einem Haushalts-Pflichtjahr auf diese Rolle vorbereitet, bevor irgend ein anderer “fraulicher” Beruf infrage kam. Doch im Krieg galt es dann auf einmal, die Stelle der Soldaten an der »Heimatfront« einzunehmen.


Durch den Einsatz in »harten« Männerberufen lernten viele Frauen die neue Selbständigkeit kennen und schätzen, ja sie konnten sich sogar eine eigene kleine Rente erarbeiten – doch nach dem Krieg hieß es schnell »zurück an der Herd«.


In den 1980er Jahren wurde über die Einführung eines »Baby-Jahres« als Kompensation der Erziehungsleistungen für die jetzt alten Frauen debattiert. Als dann das Gesetz beschlossen und ein Stichtag gesetzt wurde, waren die vor 1921 geborenen Mütter von diesen neuen Leistungen ausgeschlossen. Erst nach heftigen Protesten des Sozialverbandes (vormals Reichsbund) wurde es allen Frauen zugestanden.


Ich denke, das ist auch heute immer noch ein brandaktuelles Thema ...

Aber wer sich nicht mit solchen Gedanken belasten will, kann in dieser Skulptur auch ebenso gut ein allgemeines Mütter-Denkmal sehen.“  (Ahner-Siese)

Denk-mal an die Mütter
1984    1:10 Entwurf Ton
1994    1:1 Modell lebensgroß in Gips
1996     Kunststeinguss aufgestellt in Worphausen
1998     der Gemeinde gestiftet“